Abgelehntes Damengambit

1.d4 d5 2.c4 e6

Im Damengambit bietet Weiß im zweiten Zug ein vorübergehendes Bauernopfer an, um den c-Bauern gegen den zentralen d-Bauern von Schwarz zu tauschen in der Hoffnung ein Übergewicht im Zentrum zu erzielen. Im abgelehntes Damengambit verzichtet Schwarz auf das Schlagen und deckt den Bauern auf d5 mit seinem e-Bauern, um mit ihm auf d5 zu schlagen, falls Weiß tauscht. Im abgelehnten Damengambit kümmert sich Weiß meistens zuerst um die Entwicklung seines Damenflügels, bevor er die Figuren am Königsflügel entwickelt. Bei Schwarz ist es genau umgekehrt. Das Damengambit gehört zu den wichtigsten Eröffnungen im Schachspiel und zum Repertoire aller starker Großmeister.

Nach den ersten zwei Zügen setzt Weiß fast immer mit der Entwicklung seiner beiden Springer fort, wonach die folgende Stellung entsteht:

Ausgangsstellung

In den folgenden Diagrammen können Sie mit der Taste in die Grundstellung gelangen und von dort mit den Pfeiltasten und die Eröffnungszüge vor und zurück spielen.

Tippen Sie nachfolgend auf die Titel der Eröffnungen, um detailliertere Informationen zu erhalten.

Wiener Variante: 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nc3 Nf6 4. Nf3 dxc4

In der Wiener Variante beschwört Schwarz sofort Verwicklungen herauf. Er schlägt auf c4 und gibt Weiß die Chance mit e2-e4 das Zentrum mit einem zweiten Bauern zu besetzen. Er plant als Konter seinen schwarzfeldrigen Läufer auf b4 zu platzieren und das weiße Zentrum mit c7-c5 anzugreifen. Statt 5. e2-e4 kann Weiß auch ruhiger mit 5. e2-e3 fortsetzen und den Bauern auf c4 mit seinem Läufer schlagen. Auch das Schach mit der Dame auf a4 kommt im 5. Zug in Frage.

Ragosin-System: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Nf3 Bb4

In der Ragosin-Variante entwickelt Schwarz seinen schwarzfeldrigen Läufer nach b4 und fesselt den Springer auf c3, ähnlich wie in der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung. Da Schwarz aber schon d7-d5 gezogen hat, muss sich Weiß keine Sorgen um einen eventuellen Doppelbauern machen, falls Schwarz auf c3 tauscht, da er jederzeit mit seinem c-Bauern auf d5 schlagen kann. Die Hauptvarianten beinhalten die Gegenfesselung des Springers f6 mittels 4. Lc1-g5 oder 5. Lc1-g5, nachdem Weiß zuerst auf d5 die Bauern getauscht hat.

Abgelehntes Damengambit - Hauptvariante: 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nc3 Nf6 4. Nf3 Be7

In der Hauptvariante entwickelt Schwarz seinen Läufer nach e7 und bereitet die kurze Rochade vor. Das ist eine sehr wichtige Stellung in der Schachtheorie. Weiß entwickelt jetzt seinen schwarzfeldrigen Läufer nach g5 oder f4 und kümmert sich danach um die Entwicklung seines Königsflügels. Schwarz macht es umgekehrt. Nachdem er seinen Königsflügel entwickelt hat, bringt er nach und nach die Figuren am Damenflügel ins Spiel. Der weißfeldrige Läufer auf c8 wird häufig auf b7 fianchettiert oder auf der Diagonale c8-h3 entwickelt, falls Weiß auf d5 die Bauern tauscht.

Hauptvarianten mit 4.Lg5 Le7 5.Sf3

Lasker-Verteidigung: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 h6 7.Bh4 Ne4 8.Bxe7 Qxe7

Die Lasker-Verteidigung ist ein Beispiel, wie es im abgelehnten Damengambit weitergehen kann. Mit seinem letzten Zug forciert Schwarz im Prinzip den Tausch von zwei Leichtfiguren und entlastet damit seine Verteidigung. Das Manöver geht zurück auf den ersten und einzigen Schachweltmeister aus Deutschland, Emanuel Lasker.

Weiss spielt nicht 4.Lg5

Abtauschvariante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.cxd5 exd5

Weiss löst in der Abtauschvariante früh die Zentrumsspannung auf. Nun entsteht eine asymmetrische Bauernstruktur. Nachfolgend spielt Weiss gerne den sogenannten 'Minoritätsangriff' mit b2-b4-b5 und b5xc6, der Schwarz einen schwachen Bauern auf c6 verpasst. Schwarz wehrt sich durch einen Angriff am Königsflügel mit Zügen wie f7-f5 und Sf6-e4.

Orthodoxe Verteidigung Tempokampf: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 Nbd7 7.Rc1 c6 8.Qc2

In der Tempokampf-Variante stellt Weiss die Entwicklung des Läufers Lf1-d3 so lange wie möglich zurück, um auf ein schwarzes ...d5xc4 zu warten. Dann könnte der Läufer in einzem Zug von f1 nach c4 schlagen, statt Lf1-d4xc4. Weiss hätte ein Entwicklungstempo gewonnen.

Capablancas Entlastungsmanöver: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 Nbd7 7.Rc1 c6 8.Bd3 dxc4 9.Bxc4 Nd5 10.Bxe7 Qxe7 11.0-0 Nxc3 12.Rxc3 e5

Das Entlastungsmanöver von Capablanca löst das Entwicklungsproblem des schwarzen Damenläufers durch die Befreiung 12... e6-e5. Allerdings kann Weiss nach 13.dxe5 Nxe5 14.Nxe5 Qxe5 15.f4 seine Bauernmehrheit am Königsflügel ins Rollen bringen.

Tartakower-Variante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 h6 6.Bh4 0-0 7.e3 b6

Hier wird der schwarze Damenläufer über eine Fianchettierung nach b7 entwickelt. Dieses System des Damengambits gilt als sehr solide und Schwarz behält Gegenspiel. Ein Nachteil des Zuges b6 ist eine leichte Schwächung der hellen Felder am Damenflügel. Weiss wird mit cxd5 fortsetzen, um die c-Linie zu öffnen.

Schwarz spielt 4... Sbd7

Cambridge-Springs-Variante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Nbd7 5.e3 c6 6.Nf3 Qa5

In der Cambridge-Springs-Variante stellt Schwarz die Entwicklung des Königsläufers zurück, um Zeit für einen Gegenangriff per Fesselung des Springers auf c3 zu gewinnen. Der beste Zug ist nun 7.Sf3-d2. Wenn Weiss nun schematisch 7.Lf1-d3 spielt, kommt unangenehm 7... Sf6-e4!

Abgelehntes Damengambit - Abtauschvariante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.cxd5 exd5 5.Bg5

In der Abtauschvariante tauscht Weiß den Bauern auf d5 und verzichtet vorerst auf die Entwicklung des Springers nach f3. Stattdessen fesselt er sofort den Springer auf f6 mit 5. Lc1-g5 und hält sich offen, wohin er später seinen Königsspringer entwickeln wird. Häufig stellt er den weißfeldrigen Läufer auf d3 und den Königsspringer auf e2 auf. Schwarz entwickelt schnell seinen schwarzfeldrigen Läufer und rochiert kurz.